Historie Heinkel - Club der Heinkelfreunde Bremen-Unterweser

Direkt zum Seiteninhalt

Historie Heinkel

Unterweser
Entwicklung Heinkel-Roller - Bericht vom Heinkel-Club Deutschland e.V.
Heinkel-Club Deutschland e.V.
Geschäftsstelle
Im Vorderen Burgfeld 12
D -74348 Lauffen/N.,
Tel: 07133-961600 Fax: 07133-961602
Zur Veröffentlichung:
Der Heinkel Tourist Roller wird 60 Jahre
Ein Roller mit ViertaktMotor begeistert die Fachwelt
LAUFFEN, 20. Jan 2013 –
60  Jahre ist es her, dass für den ersten deutschen Viertaktroller am 26.  Juli 1953 die Typenzulassung beim TÜV Stuttgart beantragt und  durchgeführt wurde, damit die Serienproduktion starten konnte. Zur IFMA  1953 in Frankfurt (Internationale Fahrrad- und Motorradausstellung)  wurde der erste Heinkel Tourist mit der Typenbezeichnung 101 A-0 der  großen Öffentlichkeit werbewirksam vorgestellt.
Eine mehr als  3-jährige Test- und Erprobungsphase mit unzähligen Prototypen war damit  abgeschlossen und aus dem ehemaligen Flugzeughersteller Heinkel wurde  ein ernst zu nehmender Fahrzeughersteller der Nachkriegszeit.
Bis zum  Ende der Produktion 1965 sollten mehr als 150.000 Heinkel Tourist  produziert werden. Der Heinkel Tourist wurde damit zum erfolgreichsten  Roller der Nachkriegszeit, ein Stück Zeitgeschichte im  Wirtschaftswunderland Deutschland.
Italien, Frankreich, Holland oder  Schweden: Kein Urlaubsziel der Nachkriegszeit war zu weit, dass es nicht  mit dem Heinkel erreicht werden konnte. Und so trug der Heinkel Tourist  ein kleines bisschen
dazu bei, dass der Name Heinkel nicht nur mit Leid und Krieg in Verbindung gebracht wurde.
Wie alles begann
1949.  Am 9. November 1949 fand in Ernst Heinkels Privathaus eine Besprechung  mit einigen engen Mitarbeitern statt. Bei dieser Besprechung wurde über  die Zukunft des Werkes in Stuttgart-Zuffenhausen gesprochen, in dem man  mit Lohnaufträgen u.a. für Böhinger (Unimog) und Motorenfertigung (SAAB)  die wenigen noch verbliebenen Arbeitsplätze sicherte... Flugzeuge, die  Kernkompetenz der Firma Heinkel, durfte man nach dem Krieg nicht bauen.  Selbst das einzig verbliebene Heinkel-Werk in Stuttgart durfte von Ernst  Heinkel 1949 noch nicht betreten werden. Allerdings konnte kein noch so  striktes Verbot den Unternehmergeist Heinkels stoppen. So erkannte er  bereits frühzeitig das Potential durch den Bau von Motorrollern das  verbliebene Werk wieder auf- und ausbauen zu können. Natürlich  langfristig mit dem Ziel wieder in die Flugzeugproduktion einzusteigen.  Bis dahin sollte es aber noch dauern und so konzentrierte man sich auf  die Produktion von Rollern, Mopeds und Rollermobilen.
In dieser  ersten Besprechung wurde festgestellt »dass [ .. .] genügend Bedarf für  ein solches Fahrzeug vorhanden ist. Das Motorrad in seiner jetzigen Form  ist viel zu sportlich und für den Stadtverkehr unhandlich. Man muss  also bei der Konstruktion eines Motorrollers davon ausgehen, ein  Fahrzeug zu schaffen, das in der einfachsten
Weise bedient und  gefahren werden kann. Die einfache Bedienung und schnelle  Betriebsfähigkeit sind umso erforderlicher, als der Motorroller für den  vollkommenen Laien (Frauen) Verwendung bieten soll. Die bisherigen  Konstruktionen von Motorrollern zeigen noch nicht das, was unbedingt  erforderlich ist«.
Der erste Prototyp war bereits im März 1950  fahrbereit. Trotzdem sollte es bis zum Serienanlauf drei weitere Jahre  dauern. Statt, wie viele Hersteller der Anfangsjahre, grüne Bananen in  den Markt zu bringen und beim Kunden reifen zu lassen, wollte Heinkel  von Anfang an ein hochwertiges Massenprodukt fertigen und vermarkten. In  einer Besprechung im September 1950 wurde beschlossen, sich neben der  Lösung der technischen Probleme, auch Gedanken über den zukünftigen  Verkauf und Service zu machen. Hier sahen gerade die Kaufleute bei  Heinkel ein großes Problem auf sich zukommen, da sie in diesem Bereich  (Großhändler, Einzelhändler, Verkaufs- und Serviceorganisation, etc.)  aus dem Flugzeugbau kommend, keine Erfahrung hatten. Bis zu diesem  Zeitpunkt hatte Heinkel bereits 70.000,- DM in die Entwicklung des  Rollers gesteckt. Eine für damalige Verhältnisse unglaubliche Summe für  ein Entwicklungsprojekt mit ungewissem Ausgang. Zur Minimierung des  Risikos waren daher auch die Meinungen externer Fachleute über den  Roller für die Heinkel-Techniker sehr wichtig. So luden sie bereits im  Oktober 1950 den Cheftester für Motorroller bei der „Motor-Rundschau,  Frankfurt“ ein. Neben der Meinung eines Fachredakteurs ging es Heinkel  vor allem darum, eventuellen späteren kritischen Berichten in der  Fachzeitschrift rechtzeitig entgegensteuern zu können.
Weitere  interne Test zeigten, dass man den Roller, konstruiert mit den  Erfahrungswerten eines Flugzeugbauers, überdimensioniert und  kostenseitig den Rahmen gesprengt hatte. Kurzerhand wurde der  Serienanlauf zu Gunsten eines neuen Motors verschoben, der leichter und  weniger bewegliche Teile besaß und zudem mehr Biss auf die Straße  brachte.
Es folgten weitere ausgiebige Tests bis zur endgültigen  Serienreife. Selbst an der ADAC Deutschlandfahrt im Mai 1953 nahm man  mit Vorserienmodellen teil, um die sprichwörtliche Heinkel  Zuverlässigkeit zu demonstrieren. Im Juni 1953 war es dann soweit. Der  Serienanlauf konnte beginnen!
Das typische Heinkel Design des Rollers
Der  Roller wirkte harmonisch, wie aus einem Stück gegossen. Auf den ersten  Blick etwas wuchtig, wurden dennoch die Grundprinzipien des Rollerbaus -  kleine Räder, volle Motorverkapselung, gute Frontabdeckung für den  Fahrer und freier Durchstieg - eingehalten. Hinzu kamen keine  Einzelsitze, sondern eine breite, sehr bequeme Sitzbank, die Fahrer und  Sozia ausreichend Platz boten. Viele Fachjournalisten schrieben in den  Artikeln von einem Sofa, auf dem auch nach längeren Fahrten keine  Sitzbeschwerden auftraten. Unter der verschließbaren aufklappbaren  Sitzbank lagen der 11 Liter Tank, der Ölmessstab und ein geräumiges Fach  für Bordwerkzeug und Regenkombi. An der Stirnwand dieses Fachs war eine  kleine Klappe angebracht, durch die die Zündkerze einfach erreicht  werden konnte. Der Roller wurde durch einen Kickstarter an der linken,  wie viele Journalisten bemerkten, richtigen Seite angetreten. Bereits ab  der
zweiten Modellvariante waren alle Roller serienmäßig mit einem  elektrischen 12 Volt Dynastarter ausgestattet, was das Ankicken, ganz im  Sinne von Ernst Heinkel, überflüssig machte. Und so blieb das erste  Modell des Heinkel Rollers der einzige Tourist mit einem Kickstarter.
Für  größere Reparaturen am Roller ließ sich die hintere Haube, die durch  zwei Schellen und eine Zentralschraube am Gepäckträger gehalten wurde,  einfach abnehmen. Der Roller war auch für größere Urlaubstouren der  Bevölkerung im aufstrebenden Deutschland gedacht. Neben dem großen Fach  unter der Sitzbank, war er noch mit einem klappbaren Gepäckträger auf  der Vorderhaube, einem vor Spritzwasser geschützten Aktentaschenhaken  und einem großen, stabilen Gepäckträger hinten, ausgestattet. Etwas  gewöhnungsbedürftig war bei dem Heinkel-Tourist, dass man beim Fahren  das Vorderrad (verdeckt durch die große Haube) nicht sah.
Alle Tester  der damaligen Zeit schwärmten von der Hinterradfederung. Sie war so als  Einarmschwinge konzipiert, dass es eine gemeinsame Achse von  Kettenritzel und Schwinge gab. Dies verhinderte, dass bei  Federbewegungen die Kette zu sehr beansprucht wurde. Gleichzeitig war  die Schwinge als Kettenkasten konstruiert, in dem die Antriebskette im  Ölbad lief und so häufig eine Lebenszeit von bis zu 60.000 km hatte. Die  Bewegungen des Schwingarms wurden durch eine Schraubenfeder abgefangen,  deren Bewegungen wiederum durch einen Öldruckdämpfer abgefedert wurde.
Fazit
Heute,  60 Jahre nach dem ersten Serienanlauf des Heinkelrollers sind nach wie  vor über 8000 Heinkel Tourist-Roller auf unseren Straßen unterwegs,  davon 120 Fahrzeuge des allerersten Models von dem insgesamt nur 6500  Stück gebaut wurden. Heute zählt das Kickstarter-Modell zu den gesuchten  Raritäten mit dem größten Wertsteigerungspotential. Allen Rollern  gemeinsam ist die Unterstützung durch den Heinkel-Club Deutschland, e.V.  der sich seit 30 Jahren um den Erhalt und die Pflege dieses  wunderschönen Stücks Kulturgut kümmert.
Kurzporträt Heinkel-Club Deutschland e.V.
Der  1983 gegründete Club hat heute mehr als 4000 Mitglieder und ist damit  einer der größten markengebundenen Oldtimerclubs in Europa. Über 50  Regional-Stammtische beteiligen sich am aktiven Clubleben. Die  vereinseigene "Heinkel-Fahrzeugteile-Vertriebs GmbH" versorgt alle  Mitglieder mit den nötigen Ersatzteilen. Es lagern abrufbereit über 3000  verschiedene Ersatzteilpositionen und sorgen damit für den Erhalt der  vor über 50 Jahren produzierten Fahrzeuge.
Weitere Informationen sind abrufbar unter www.heinkel-club.de
Medienkontakt:
Andreas Nielen-Haberl, 2. Vorsitzender
Gundhofstraße 7
60528 Frankfurt
anh@heinkel-club.de
Heinkel-Club Deutschland e.V.
Geschäftsstelle
Im Vorderen Burgfeld 12
D -74348 Lauffen/N.,
Tel: 07133-961600 Fax: 07133-961602
E-mail: info@heinkel-club.de
Zurück zum Seiteninhalt